Energie(un)sicherheit aktuell
10.03.2011 - Straßburger Arbeitskreis Europa - Bericht von Wolfgang Lorenz - Erdölförderung - Erdöltransport - Europäisierung des Strom- und Gasmarktes.
Zusammenfassung eines Berichtes von - Wolfgang Lorenz (Dipl. Disc.Pol) / Geschichte/Wirtschafts- und Sozialwissenschaften - Koordinator Energie/Umwelt im Straßburger Arbeitskreis Europa.
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Ölförderung in Nahost und Nordafrika
Die Problematik im Erdölbereich ist eng verbunden mit der veränderten
politischen Situation in Nahost und Nordafrika. Die Ölförderung und der
Ölexport aus Libyen sind bedroht. Im Fall einer Ausweitung dieser
politischen Unruhen auf andere Staaten wie Algerien, die Öl-Emirate,
Irak und Iran können entsprechende Folgen für die Industriestaaten der
EU nicht ausgeschlossen werden.
Libyen fördert ca. 87 Mio.ton. Rohöl jährlich und 1,6 Mio Barrel täglich. Davon werden 1,1 Mio exportiert. Libyen habe in Afrika die größten Öl- und Gasreserven. Bis 2013 wollte man die tägliche Förderung auf 3 Mio Barrel ausweiten.
Saudi-Arabien fördere ca. 470 Mio. Tonnen jährlich und ca. 8 Mio. Barrel täglich. Die tägliche Förderung sei bis zu ca. 12 Mio Barrel ausbaufähig. Damit könne Saudi-Arabien Ausfälle in Libyen noch ausgleichen.
Algerien förder 1,4 Mio. Barrel Öl pro Tag und sei ein wichtiger Gas-Lieferant. Auch hier ist mit Ausfällen zu rechnen.
Falls neben Libyen auch Algerien ausfiele, käme der Ölmarkt in Unruhe zumal durch politische Instabilitäten mit Unsicherheiten auch in Irak und Iran zu rechnen sei.
Irak exportiere derzeit 2 Mio. Barrel/Tag. Bis 2017 hoffe man, den Export bis auf 12 Mio ausweiten zu können. Durch neue Technologien wird das Vorkommen auf 144 Mrd. Barrel eingeschätzt. Iran habe 137 Mrd. Barrel Reserven
Die größten und wichtigen Erdölproduzenten seien
Saudi-Arabien mit einem Vorkommen von 265 Mrd. Barrel,
und
Venezuela mit einem Vorkommen von 212 Mrd. Barrel.
D.h. eine politisch bedingte Verknappung des Erdöls könnte derzeit
noch ausgeglichen werden.
Dennoch seien die Erdölpreis stark angestiegen.
2
Schwachstellen der Öltransporte
Hier stehe zunächst Ägypten und der Zugang durch den
Suez-Kanal im Focus. Es gebe aber auch weitere
Schwachstellen wie die Piraterie im Raum Somalia und
die Straße von Malaga. Diese Unsicherheiten tangieren
auch Öl exportierenden Länder in anderen Regionen der Welt
Die Abhängigkeit der Industriestaaten vom Öl sei geringer geworden, da der Verbrauch gesunken sei. Z.B. sei der Bedarf in Deutschland seit 1979 um 29% zurückgegangen. Aber der Bedarf in China, Indien, Schwellen- und Entwicklungsländern kompensiere nicht den Rückgang des Bedarfs in den Industrieländern, was die Preise vermutlich weiter steigen lasse.
3
Preisanstieg Ölpreise
In China liege der Preis bereits bei über 100 $ pro Barrel mit
steigender Tendenz. Die Preissteigerungen können in China, in
Schwellenländern (den Exportmärkten der Industriestaaten) und in den
Entwicklungsländern das Wachstum ausbremsen, aber auch in Europa den
nach der Finanz- und Wirtschaftskrise (2008/9) angelaufenen
Genesungsprozess behindern. Die Schuldensituation in Griechenland,
Spanien und Irrland würde ebenso betroffen.
Steigende Erdölpreise führen kurzfristig zur Verteuerung von Öl, Gas und Benzin, mittelfristig zum Anstieg der davon indirekt abhängigen Verbraucherpreise. Sie führen zu einer Zunahme inflationärer Tendenzen, zur Schwächung des Binnenmarktes, des BIP und einem nachfolgendenAnstieg der ARbeitslosigkeit.
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Staatsaufgabe Energiesicherung
Die Sicherung von Energie und deren Transport gehöre zumindest in
Krisenzeiten zu den originären Staatsaufgaben, und könne nicht allein
Privatwirtschaft überlassen bleiben. Außerdem dürfe die
Energieversorgung nicht mehr von den besonderen Interessen eines
Mitgliedstaates abhängen. Sie müsse auf EU-Ebene europaweit geregelt
werden, wie das vom Energiekommissar Öttinger auch angestrebt
werde.
Lorenz kommt zu dem Schluss, dass der Umfang der Privatisierung im Energiebereich im gemeinsamen wirtschaftlichen und privaten Interesse aller Mitgliedstaaten einer kritischen Prüfung unterzogen werden müsse. Es seien zumindest verbindliche, Energie sichernde EU-Regelungen erforderlich.
5
Europäischer Energie-Binnenmarkt
Die Schaffung eines EU-Binnenmarktes für Energie bedeute, dass
EU-Mitgliedsaaten Energie nicht nur national sondern für die gesamte EU
erzeugen. Die Strom- und Gasmärkte würden gemäß dem Öttinger-Plan
europäisiert. Durch eine Harmonisierung entstünden mehr Wettbewerb
weniger bürokratische Hürden innerhalb der EU.
Zu den dazu erforderlichen Maßnahmen zählen
- die Vermeidung unkoordinierter Sonderwege oder Alleingänge
einzelner Länder, wie z.B. völlig unterschiedlichen Strategien zur
Förderung erneuerbarer Energien und der Windenergie,
- die Subventionierung länderspezifisch sinnvoller Energieformen, wie z.B. Sonnenenergie in Spanien, Windenergie in der Nordsee
- die Vermeidung von Alleingängen von Energieunternehmen ohne Abstimmung in der EU, wie z.B. Stromnetzverkäufe an Rentenfonds (RWE) oder nach Großbritannien (E.on);
- die Schaffung grenzüberschreitender Regeln gegen Manipulation an den Energiebörsen bis 2012 (94% des deutschen Energiehandels laufen über ausländische Zwischenhändler)
- die Durchsetzung von mehr Energie-Effizienz in der Wirtschaft wie
im privaten Bereich, notfalls mit Hilfe von EU-Verordnungen;
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Sonstige Energiethemen
Im Kampf gegen die Erderwärmung würde zuviel
Klimaschutz den Absichten der wirtschftlichen
Entwicklung in der EU widersprechen. Die Begrenzung des CO2-Ausstoßes
bis 2050 würden für die Wirtschaft Investitionen in Höhe von jährlich
270 Mrd. Euro bedeuten.
Eine Harmonisierung der Atomenergiepolitik in und zwischen den Mitgliedstaaten ist überfällig.
Die Begründung des Prima-Klima-Benzins E10 sei eine Mär. E10 führe zu höherem Verbrauch und trage nur geringfügig zum Klimaschutz bei. Mehr Anbauflächen für Benzin reduzieren z.B. die lebenswichtigen Anbauflächen für Nahrungsmittel und reduzieren wichtige Regenwaldflächen in der 3.Welt.
Die EU fordere kleinere, sparsamere Autos, alternative Antriebstechniken und Verkehrskonzepte.
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