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Was wäre, wenn wir den Euro nicht hätten?

28.05.2010 - Winfried Gass - Es ist zu beobachten, dass neuerdings neben den Spekulanten nun auch noch der EURO selbst als Ursache für die europäischen Finanzturbulenzen herangezogen wird.


Ein Beitrag von Winfried Gass *)

Es ist zu beobachten, dass neuerdings neben den Spekulanten nun auch noch der EURO selbst als Ursache für die europäischen Finanzturbulenzen herangezogen wird. Dies führt mittlerweile in der Öffentlichkeit zu einer fatalen Fehleinschätzung der Bedeutung unserer gemeinsamen Währung.

So zeigt die Infra-Test-Umfrage vom 24.04. 2010, dass 61 % der deutschen Bevölkerung glaubt, der EURO hätte uns eher Nach- als Vorteile gebracht.

Deshalb ist es dringend nötig, die Vorteile eines einheitlichen Währungsraumes zu verdeutlichen, der dem Europäischen Binnenmarkt mit seinem freien Waren-, Dienstleistungs-, Kapital- und Personenverkehr seine monetäre Vollendung gebracht hat.

Der EURO brachte uns folgende Vorteile, die wir nicht hätten, gäbe es den EURO nicht:

     •eine höhere Wettbewerbstransparenz durch größere Sicherheit bei Preis- und Kostenvergleichen,
     •eine Verringerung des Zeit- und Kostenbedarfes für die zwischenbetrieblichen Zahlungsströme im EURO-Raum,
     •Ausschaltung des Währungsrisikos bei allen Verträgen und Lieferungen innerhalb des EURO-Raums,
     •Erleichterung der Finanzierungsmöglichkeiten durch transparentere Finanzmärkte,
     •die Planungs- und Kalkulationssicherheit ist größer geworden,
     •Standortvergleiche sind einfacher geworden,
     •die Gründung und Kontrolle von Vertretungen, Niederlassungen und Tochtergesellschaften im gemeinsamen Währungsraum sind wesentlich erleichtert,
     •Wettbewerbsvorteile z.B. durch Neuentwicklungen, Rationalisierungen und Kosteneinsparungen werden nicht durch Aufwertungen entwertet,
     •Währungstausch und Wechselkurssicherung sind entfallen.

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Kosten des Währungstausches und der Wechselkursabsicherung vor der Einführung des EUROS ca. 1% des Brutto-Inlandproduktes betrugen. Gemessen am Export-Anteil 2009 in die Euro-Länder in Höhe von ca. 348 Mrd € bedeutet dies für die deutsche Exportwirtschaft eine jährliche Kostenersparnis von ca. 3,5 Mrd € beim Export in den EURO-Raum.

Angesichts dieser Vorteile kann der Wert des EURO nicht hoch genug geschätzt werden, zumal sein innerer Wert durch eine beispielhafte Geldwertstabilität gekennzeichnet ist. Die durchschnittliche Inflationsrate seit seiner Einführung ist geringer als die der DM in den vorangegangenen Jahren.

Es ist lediglich der äußere Wert, der von den Märkten in Zweifel gezogen wird. Grund dafür sind die hohen Staatsverschuldungen in den meisten Ländern des Euro-Raumes. Diese zurück zu führen und dem Stabilitäts- und Wachstumspakt des Maastricht-Vertrages wieder die ihm ursprünglich zugedachte Geltung zu geben, ist das Gebot der Stunde.

Dann verlieren auch Finanzspekulanten die Möglichkeit, an Spekulationen gegen einzelne überschuldete Mitgliedsstaaten oder gar gegen die Währungsunion als Ganzes Geld zu verdienen. <>

*) Herausgeber des KMU europaForum

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